Mein Herz schlägt für Holz

Wenn ich heute voller Leidenschaft sage, dass mein Herz für Holz schlägt, dann kann ich nur staunen. In meiner Kindheit arbeitete mein Vater am Abend hin und wieder mit Holz. Er bastelte Spielzeug und versorgte sogar meine Kumpel mit Schwertern und Hockeyschlägern „Marke Eigenbau“. Glauben Sie jetzt bitte nicht, dass ich seine Begeisterung geteilt habe. Ganz im Gegenteil. Das hat einige Jahre gedauert. Wollen Sie wissen, wie es zu der großen Wende kam?

Kindheit und Jugendzeit in Tadschikistan

Sehr kalte Winter und heiße Sommer haben mich bis zu meinem 15. Lebensjahr in meiner Geburtsstadt Leninabad begleitet. In diesem mittelasiatischen Landstrich Tadschikistans bin ich groß geworden und habe das sowjetische Reich mit seinem Versorgungsmangel und seinen politischen Nebenwirkungen hautnah erlebt. Mit 14 Jahren war meine Schulausbildung abgeschlossen. Über meine berufliche Zukunft durfte ich nicht selbst entscheiden. Mein Vater beschloss, dass ich bei einer Baufirma arbeiten sollte, und duldete keinen Widerspruch.

Heute würde jeder Junge in der Pubertät seinen Eltern einen Vogel zeigen, wenn Sie ihn zu dieser Arbeit verdonnern würden. Das hätte ich niemals gewagt, fügte mich jedoch widerwillig.

Der erste Kontakt mit Brettern

An meine ersten Arbeitsversuche mit dem Werkstoff Holz habe ich keine guten Erinnerungen. Die Baufirma, für die ich arbeiten musste, verkleidete Bauwagen mit Brettern und führte auch Reparaturen aus. Können Sie sich meine Arbeitsbedingungen im Winter vorstellen? Welcher Junge würde sich da für Holz begeistern? Ich jedenfalls nicht!

Als Einwandererkind in Deutschland

Während meines 15. Lebensjahres beschloss mein Vater, dass wir nach Deutschland umsiedeln. Dieser Entscheidung musste ich folgen und wurde im laufenden Schuljahr in die 9. Klasse der Dransfelder Realschule aufgenommen. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich weder Deutsch gesprochen, noch ein deutsches Wort gelernt. Das sind nicht die besten Bedingungen, um in der Schule erfolgreich zu lernen. Lustlos verfolgte ich den Unterricht und saß meine Schulstunden gelangweilt ab. Meine Lehrer sorgten dafür, dass ich in einem Internat und Jugenddorf für Einwandererkinder aufgenommen wurde, um dort einen Hauptschulabschluss zu machen.

Ein Schüler plant seine Zukunft

Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich in meinem Leben nicht viele Entscheidungen selbst getroffen. Doch das sollte sich nach meinem Schulabschluss ändern. Mein Onkel hatte mir einen Ausbildungsplatz zum Betriebselektriker bei der Firma Bosch vermittelt, aber ich sagte voller Überzeugung „Nein“. Das hat den häuslichen Frieden ziemlich gestört. Dennoch habe ich mich nicht für eine Ausbildung zum Elektriker entschieden. An einem „Tag der offenen Tür“ der Berufsbildenden Schulen in Göttingen durfte ich die große Vielfalt der Ausbildungsberufe kennenlernen.

Ein Auszubildender verschenkt sein Herz

Dieser „Tag der offenen Tür“ war eine große Wende in meinem Leben, die mich mit großer Dankbarkeit erfüllt.

Schon beim ersten Kontakt am Stand für Holzberufe wusste ich, dass es sich lohnen würde, dort stehen zu bleiben. Und mit dem ersten Berühren dieses wundervollen und elastischen Materials war mir klar, dass ich alles lernen möchte, was mit diesem Werkstoff zu tun hat. Mein Herz war entflammt.

Das Herz für Holz schlägt und schlägt und….

Bis zum heutigen Tag bin ich sehr dankbar für diesen Wendepunkt in meinem Leben. Meine Entscheidung, Tischler zu werden, habe ich niemals bereut. Schon meine ersten Arbeitsproben wurden mit „sehr gut“ bewertet. Das hat mir unendlich gut getan. Ob Sie es glauben oder nicht, meine erste Furnier-Intarsien-Arbeit habe ich meinem Vater geschenkt. Und auch mein Vater durfte anerkennen, dass meine Entscheidung goldrichtig war. Das Wandbild hängt noch heute in seinem Wohnzimmer und erinnert ihn täglich daran, dass aus seinem Sohn etwas geworden ist.

Was aus dem Tischler geworden ist, heißt heute parkettum.




Kommentare

Hoffmann says

Ich möchte nicht viel dazu sagen einfach nur: Respekt

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