Historisches Parkett: Die Alte Mensa der Uni Göttingen erstrahlt in neuem Glanz

Die Georg-August-Universität und der Name der Stadt Göttingen sind – sieht man einmal von Stockholm ab – wie kaum andere Stadt in Europa mit dem Nobelpreis verbunden. Unter den zahlreichen Persönlichkeiten, die in den vergangenen 100 Jahren mit dem wohl bekanntesten Forschungspreis geehrt wurden, befinden sich allein 45 Preisträger, deren Lebensläufe mit der Universitätsstadt Göttingen verknüpft sind.

Als Göttinger bin ich stolz darauf, dass wir dem historischen Boden der alten Mensa am Wilhelmsplatz neuen Glanz verleihen durften. Ich blühe auf, wenn unsere handwerklichen Fähigkeiten außergewöhnliche Orte mit besonderer Geschichte gestalten können. Beim Arbeiten auf dem historischen Parkett habe ich mir oft die Frage gestellt, welche Persönlichkeiten diesen Raum bereits durchschritten haben.

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Foto: Artur Römmich

 

Das neue Tagungshaus der Uni ist ein Bau mit vielen Überraschungen

Teile der Bausubstanz gehen bis auf das Barfüßerkloster aus dem 13. Jahrhundert zurück. Das Gebäude wurde als Kloster, Kirche, Theater, Kino und eben als Mensa der Göttinger Universität genutzt. Im Jahr 1920 wurde hier von einem Studentenverein Deutschlands erste Mensa eröffnet, daher der Name „Alte Mensa“.

Kein Wunder, dass während der Baumaßnahmen verborgene Bausubstanzen zum Vorschein kamen, die historisch wertvoll sind und durch den Umbau wieder sichtbar werden sollten. Der Leiter des Gebäudemanagements der Universität, Rainer Bolli, berichtete davon, dass er sich mit vielen unverhofften Neuigkeiten arrangieren musste, die unter anderem zu der dreijährigen Bauzeit geführt haben. Er gab dem Gebäude den humorvollen Titel „Wundertüte“.

Jahrzehntelang war zum Beispiel eine alte Stuckdecke verborgen, die die Baumaßnahmen wieder ans Licht brachten. Für weitere Verzögerungen sorgten mehr als 100 Mönchsskelette, die im Hof der Alten Mensa gefunden wurden. Hier hat die Stadtarchäologie gute Arbeit geleistet und die Skelette fachgerecht gesichert.

Zusätzlich hat während der aktuellen Bauzeit der Anfang des 19. Jahrhunderts auf den Mauern eines Klosters erbaute Gebäudetrakt für einige Überraschungen gesorgt. Im Dachgeschoss wurde eine kleine Wohnung entdeckt, die teilweise noch eingerichtet war. In dem vergessenen Wohnraum wurden Konserven aus Hilfspaketen und auch Zeitungen aus der Nachkriegszeit gefunden. Die für die vierziger und fünfziger Jahre typischen Tapeten waren ebenfalls gut erhalten. Die „Wundertüte“ machte ihrem Namen alle Ehre.

 

Wir machen Geschichte sichtbar

Grundsätzlich galt es, die ursprüngliche Gestalt und Raumaufteilung, wie 1820 von Baumeister Rohns vorgesehen, wiederherzustellen. Das Gebäude sollte also nach historischem Vorbild restauriert werden. Durch die erstklassige Zusammenarbeit aller Handwerker mit dem Projektleiter Robert Förster ist uns dieses Meisterwerk auch gelungen.

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Foto: Artur Römmich

Wir durften mit unserem Team die Schönheit der Alten Mensa genießen und uns den historischen Böden widmen, die mit ihrem Kassettenboden und ihren historischen Intarsien heute unbezahlbar sind. In beiden Konferenzsälen des unteren Bereichs hat Feuchtigkeit zu einem Gerbprozess geführt, die wir nach Absprache mit den verantwortlichen Leitern, ganz bewusst sichtbar gelassen haben. Zwar könnte dadurch ein unkundiger Betrachter denken, dass diese sichtbaren „Macken“ und Flecken von einem Handwerker übersehen wurden, doch sie machen das Ergebnis zu etwas ganz Besonderem. An vielen Stellen mussten außerdem morsche Parkettstäbe durch neue ersetzt werden und auch diese „Flickarbeiten“ sind sichtbar.

Die „unperfekte“ Wiederherstellung zeigt unseren Respekt vor der „Biografie“ des Gebäudes, das nicht nur ein modernes Tagungszentrum sein soll, sondern auch Teil der Göttinger Geschichte. Ich werde in Zukunft mit herzerwärmenden Gefühlen über den Wilhelmsplatz gehen und der „Wundertüte“ mein schönstes Lächeln schenken.

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Foto: Artur Römmich




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